Cat's Taste - Weil Katzen etwas Besonderes sind

Samstag, 23. Mai 2015

Von Milchzähnen und zahnenden Katzen


Normalerweise kennt man das ja eigentlich nur von Babys: Schreiattacken, kauen auf den Fingerknöcheln, leichtes Fieber. Eltern die ein zahnendes Kleinkind Zuhause haben, sind mitunter nicht zu beneiden. Obwohl es auch immer wieder Fälle gibt, bei denen die Zähne vollkommen unbemerkt durchstoßen und keine großen Probleme verursachen. Ähnlich verhält es sich bei Katzenbabys.

Der Zahnwechsel beginnt durchschnittlich zwischen der 16. und 24. Woche und sollte nach der 32. Woche abgeschlossen sein. Während das Milchgebiss einer Katze nur aus 26 Zähnen besteht, sind es beim bleibenden Gebiss 30 Zähne. Die „Molaren“, also die hinteren Backenzähne, fehlen im Milchgebiss noch, diese wachsen erst im Zuge des Zahnwechsels.

Bei den wenigsten Katzen spürt man viel von diesem Vorgang, die neuen Zähne verdrängen das Milchgebiss, meist fallen die Zähne aus während die Katze frisst und werden dann mit der Nahrung verschluckt. Es gibt aber Ausnahmen, zu der auch meine Katze Campino zählt, sie hat regelrecht „gezahnt“ wie ein Säugling. Angefangen hat es mit einer plötzlichen „Kau-Lust“, die Campino an den Tag legte. Egal ob Sofakissen, Spielzeug, Elektrokabel oder meine Hände, auf allem wurde ausgiebig herum gekaut. Außerdem hat Campino stark gesabbert, ständig lief ihr Speichel aus dem Maul und ihr Atem roch auch relativ unangenehm. Am Anfang hielten sich die Symptome noch in Grenzen, aber je länger der Zahnwechsel dauerte, desto größer wurden die Beschwerden. Campino fing an ständig unruhig hin und her zu laufen, litt an leichtem Fieber und Durchfall.

Eines Tages rauften wir ein wenig und sie fing an auf meiner Hand zu kauen. Da ich relativ unempfindlich gegen Katzenzähne und Krallen bin, ließ ich sie eine Weile beißen, bis ich plötzlich Blutspuren auf meiner Hand entdeckte. Ich suchte vergeblich nach der Wunde, die mir Campino augenscheinlich zugefügt hatte, bis mir auffiel, dass es sich gar nicht um mein Blut handelte. Ein Blick in ihr Mäulchen zeigte, einen weiteren Zahn, der sich aus dem Zahnfleisch löste und die Blutung verursachte. Ich habe Campino daraufhin ein großes Stück rohes Hühnerfleisch gegeben, auf dem sie dankbar herum kaute, bis sich der Zahn ablöste.

Nachdem der Zahnwechsel vollzogen war, haben sich die Symptome von selbst verflüchtigt, Campinos schlechter Atem rührte von einer leichten Zahnfleischentzündung, der Speichelfluss und die unbändige Gier auf allen möglichen Gegenständen zu kauen, haben sich ebenfalls erledigt.
Was aber kann man tun, wenn das Kätzchen so starke Beschwerden hat und offensichtlich unter Schmerzen leidet? 

Eine gute Möglichkeit bietet hier rohes Fleisch. Hühnerherzen, Hühnerfleisch oder Rindfleisch eignen sich sehr gut, da diese Sorten eine sehr feste Struktur haben und die Katze ordentlich darauf kauen muss. Die Brocken sollten relativ groß geschnitten sein (ca. 1x1cm), damit die Katze diese nicht ungekaut hinunter schlucken kann. Meist nimmt das Kätzchen in der Phase des Zahnwechsels solche Fleischeinheiten gerne an, da es instinktiv weiß, dass es gegen die Schmerzen hilft.

Wenn eine Katze absolut nicht für hohes Fleisch zu begeistern ist, kann man eine Alternative aus Trockenfleisch anbieten, möglichst fest und in großen Stücken, damit auch hier keine Chance besteht, die Stücke ungekaut zu fressen. 

Eine dritte Möglichkeit ist unser Beißring, den wir eigens für zahnende Katzen entwickelt haben. Er besteht aus einem festen Holzring, welcher mit einer Baumwollschnur umwickelt ist, sodass Euer Katzi nach Herzenslust darauf kauen kann. 
Nähere Informationen zu unseren Beißringen findet Ihr im Blogbeitrag "Beißringe für Katzen"

Grundlegend sollte man aber immer im Auge behalten, ob die Symptome wirklich vom Zahnwechsel herrühren. Fieber und Durchfall können genauso durch andere Krankheiten verursacht werden, daher sollte man einen Tierarzt zu Rate ziehen, wenn sich die Symptome verschlimmern oder die Katze noch andere Anzeichen von Unwohlsein zeigt (beispielsweise eine gekrümmte, steife Sitzhaltung kann auf Bauchschmerzen oder ein Problem mit dem Magen-Darm-Trakt hindeuten). Es ist also wichtig die Symptome im Gesamtverhalten der Katze zu sehen, wenn das Tier ansonsten fit wirkt, sich gerne zum spielen animieren lässt und auch normal frisst, ist dies ein gutes Anzeichen dafür, dass der Katze, abgesehen von den Zahnschmerzen, nichts fehlt.
Kätzchen neigen ab und an auch zu „Doppelzähnen“, das bedeutet, dass der Milchzahn nicht ausfällt und der bleibende Zahn daneben durch stößt. Dies ist besonders oft bei den oberen Eckzähnen der Fall. Solltest Du bei Deiner Katze „Doppelzähne“ feststellen, ist es auf jeden Fall sinnvoll den Tierarzt aufzusuchen. Oft fallen die Milchzähne dann doch noch von selbst aus, aber manchmal müssen diese vom Tierarzt gezogen werden, damit es zu keiner Gebiss-Fehlstellung kommt. Außerdem können sich zwischen den Zähnen, aufgrund des engen Zwischenraums, Bakterien ausbreiten und für Entzündungen und Zahnstein sorgen. Der Tierarzt entscheidet im Allgemeinen ob er die überzähligen Milchzähne zieht oder ob es in Ordnung ist zu warten, bis diese von selbst ausfallen.
 Auf dem Bild oben, siehst Du eine stark vergrößerte Version von einem Milchzahn, den Campino verloren hat.


Hatten Eure Katzen auch solche Probleme, als sie die Milchzähne verloren haben? Was habt Ihr gemacht, um Euren Katzen Erleichterung zu verschaffen?


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