Cat's Taste - Weil Katzen etwas Besonderes sind

Freitag, 5. Juni 2015

Mama, ich wünsche mir ein Haustier


Ein Haustier ist für die meisten Kinder sicherlich das größte Glück, das man sich vorstellen kann. Keine Langeweile, immer einen Spielpartner und besten Freund. Haustiere helfen gegen Einsamkeit, sind immer da wenn man sie braucht und bereichern unseren Alltag.

Dies sind natürlich alles Vorzüge, die Eltern oft davon überzeugen, eine Katze oder einen Hund für das Kind anzuschaffen. Denn oft argumentieren Kinder genau damit, sich weniger alleine zu fühlen wenn die Eltern arbeiten müssen, weniger Langeweile zu haben und Verantwortung übernehmen zu wollen.


Kinder sehen jedoch meist nur die Vorteile eines eigenen Haustiers, sie denken selten darüber nach, dass eine Katze auch gepflegt werden will. Bürsten, Reinigung des Katzenklos, Füttern und auch mal die Katzennäpfe auswaschen, gehören zu den eher ungeliebten Arbeiten, die ein Tier mit sich bringt. Außerdem denkt ein Kind natürlich immer an ein winziges, flauschiges Katzenbaby, mit dem man so wunderbar spielen kann.

Leider sind Eltern oft viel zu schnell mit von der Partie, wenn das Kind wegen eines Haustiers bettelt. Oft vereinbaren die Eltern mit ihrem Kind, dass die Pflege des Tiers nicht an ihnen hängen bleiben wird. Aber seien wir mal ehrlich, welches Kind würde eine solche Vereinbarung nicht mit seinem Blut unterschreiben, nur um an sein geliebtes Tier zu kommen?

In der Realität sieht es aber dann so aus, dass die Eltern sehr wohl den Löwenanteil der Katzenpflege übernehmen müssen, weil das Kind dann doch lieber Fußball spielen geht oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, statt das Katzenklo zu säubern.
Oft merken Kinder auch erst wenn das Tier eingezogen ist, wie wenig sie sich vorab mit dem Tier und seinen Eigenschaften beschäftigt haben und mit welchen Vorstellungen sie an das Thema heran gegangen sind.

Der Kindersender Kika hat im Jahr 2014 eine sehr interessante Dokumentation über dieses Thema gebracht, nämlich das „Haustier-Camp“. Grob gesagt ging es um mehrere Kinder, die alle den großen Wunsch hatten, ein eigenes Haustier zu bekommen. Von Hunden bis Meerschweinchen waren verschiedene Wunsch-Tiere vertreten. In diesem Camp sollten die Kinder in einem Tierheim lernen, Verantwortung für die Pflege ihrer Schützlinge zu übernehmen, es wurden verschiedene Themen wie „artgerechte Haltung“, „Pflege“, „Ernährung“ und „Sicherheit“ durchgenommen. Außerdem durften die Kinder sich mit ihren Wunschtieren auseinander setzen und etwas über sie lernen.

Ein gutes Beispiel war hier ein kleiner Junge, der unbedingt ein Meerschweinchen haben wollte. Er hatte geglaubt, man könne mit ihnen spielen und kuscheln. Tatsächlich sind diese Tiere aber extrem schreckhaft, es ist sogar schon vorgekommen, dass ein Meerschweinchen einen Herzinfarkt bekommen hat, weil der Besitzer es auf den Arm nehmen wollte. Im Grunde kann man also sagen, dass sich Meerschweinchen nur zu Beobachtungszwecken eignen, aber keinesfalls Kuschel- oder Spieltiere sind.

Kinder gehen oft mit vollkommen falschen Erwartungen an ihr „Wunsch-Tier“ heran, sehen nur wie niedlich ein Tier ist, haben aber keine Vorstellung davon wie es artgerecht gehalten werden muss. In so einem Fall sind aus meiner Sicht die Eltern gefordert, sich und das Kind zu informieren. Wie oft landen Katzen im Tierheim, weil sie vorschnell angeschafft wurden und das Kind schon nach kurzer Zeit den Spaß an dem Tier verliert?

Doch nicht nur die tägliche Pflege stellt ein Problem dar, auf die die meisten Kinder dann schon nach kurzer Zeit keine Lust mehr haben. Auch die Erziehung des Tieres spielt eine große Rolle, denn niemand ist begeistert, wenn einem die eigene Katze auf der Nase herum tanzt, ganz egal wie niedlich sie auch sein mag.

Wer seinem Kind eine Katze anschafft, sollte vorab überlegen ob das Kind wirklich die Reife hat, für das neue Familienmitglied alleine zu sorgen. Ernährung, Erziehung, Pflege, artgerechte Haltung, mit diesen Themen sollte man sich auseinander setzen, bevor das Tier einzieht. Speziell bei der Erziehung wird das Kind ggf. die Unterstützung der Erwachsenen benötigen, denn in den seltensten Fällen kann ein Kind diese Herausforderung alleine stemmen.

Aber, auch wenn das Kitten mit seinen 12 Wochen klein und flauschig ist, irgendwann wird auch die putzigste Katze erwachsen. Wird das Kind dann immer noch Interesse an dem Tier zeigen? Und was passiert, wenn aus dem Kind irgendwann ein Teenager wird? Katzen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 15 Jahren, manche werden sogar älter. Wenn das Kind also mit 10 Jahren eine Katze bekommt, ist das Tier 8 Jahre alt, wenn das Kind Abitur macht. Und danach? Studium, vielleicht eine andere Ausbildung, Auszug aus dem Elternhaus, ein eigenes Leben. Ist das Kind dann auch bereit die Katze ggf. mitzunehmen und weiter zu betreuen? Oder sind die Eltern bereit die Katze bei sich zu behalten?

Natürlich kann man sein Leben nicht so lange im Voraus planen, aber man sollte sich einfach dessen bewusst sein, dass Katzen mitunter sehr alt werden können und somit lange ein Teil des eigenen Lebens sind. Alte Katzen haben in Tierheimen so gut wie keine Vermittlungschancen, niemand möchte ein Tier das bereits 10 Jahre auf dem Buckel hat. Schlussendlich fristen diese Tiere ein trauriges Leben in einem Katzenheim, bis sie irgendwann eingeschläfert werden. Dies ist eine notwendige, wenn auch traurige Maßnahme, weil die Heime sowieso schon in Tieren ersticken und so Platz für neue Katzen geschaffen wird, die von ihren Besitzern verstoßen wurden.

Wenn Kinder sich ein Haustier wünschen ist das natürlich etwas positives, aber man sollte hier genau abwägen und überlegen ob das Kind dieser Verantwortung wirklich gewachsen ist und wie es mit dem Tier weiter gehen soll, wenn der Teenager irgendwann auszieht und sein eigenes Leben führen will.

Eine gute Möglichkeit sein Kind auf „Haustiertauglichkeit“ zu testen, ist die Übernahme einer zeitweiligen Pflegschaft. Man kann beispielsweise in der Nachbarschaft fragen, ob das Kind die Nachbarskatze oder den Hund betreuen darf, wenn der Besitzer verreisen muss, krank ist oder in Urlaub fährt. So kann man sein Kind schrittweise an das Thema „Haustier“ heranführen und auch prüfen wie es mit der Situation umgeht. Man wird relativ schnell merken ob das Kind begeistert bei der Sache ist, zuverlässig und verantwortungsbewusst handelt oder eher nachlässig reagiert und schnell die Lust an der Aufgabe verliert.

Aus meiner Sicht ist die zeitweilige Betreuung eines fremden Tieres auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, um zu sehen ob das Kind die Reife für ein eigenes Haustier besitzt.

Weitere hilfreiche Informationen zum Thema finden sich in den Artikeln "Eine Katze aufnehmen oder nicht? Eine schwierige Entscheidung" und "Ein Kätzchen soll einziehen".




Hinterlasse einen Kommentar: